Das Thema Retrogaming ist so popular wie noch nie zuvor. Die Preise für alte Konsolen und Spiele steigen massiv, Retro-Let’s Plays auf Youtube werden mehr und mehr beachtet und man sieht in der Stadt oder in der Uni immer wieder Menschen mit einem GameBoy in der Hand. Spieleentwickler setzen, besonders bei neuen Indiespielen, oft auf Pixelgrafik und 8-bit Musik und auch in der Tattooszene sieht man oft kleine Pokémon oder 1-Up-Mushrooms im Pixellook auf den Körpern. Doch woher kommt das?

 

 

Zu Allererst befasse ich mich damit, was man überhaupt unter Retro versteht. Es gibt hier keine genaue Definition, jeder fasst das Gebiet für sich selbst. Ich definiere Retro (Stand: April 2016) als alles bis zum Gamecube. Darüber kann man sich natürlich streiten, der Gamecube kam 2001 in Japan und Amerika, 2002 in Europa auf den Markt, was für mich tatsächlich noch kein Retro darstellt. Das sehe ich vermutlich in zehn Jahren anders, momentan spreche ich, wenn es um Retro geht, allerdings von allem bis zum Ende des N64.

 

 

Meiner Meinung nach kommt das Phänomen Retro daher, dass die Generation NES/SNES nun in ein Alter kommt, in dem „früher (fast) alles besser war“. Die Triple-A-Titel werden komplexer, es gibt mehr und mehr Open-World, alles muss in einer wunderschönen HD/4K Grafik sein; alles immer schöner, schneller, beeindruckender, besser. Doch besonders die ältere Generation Gamer möchte gern mal in Erinnerungen schwelgen und von dieser Entwicklung Abstand nehmen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es zwischen diesen wunderschönen neuen Spielen sehr angenehm ist, ein Spiel einzulegen, was mit den einfachsten Mitteln einen wirklich geradlinigen Spielverlauf bietet, in dem man auch einfach mal kurzweiligen Spaß hat und die altbekannte Musik beim zehnten Durchzocken der Level hört.

 

 

Damit einher geht natürlich der Punkt der Nostalgie. Manche Menschen sind deutlich nostalgischer als andere, aber es ist immer wieder schön, mit Gleichaltrigen in Erinnerungen zu schwelgen und darüber nachzudenken, wie es damals war. Wenn ich die Musik aus Spielen meiner Kindheit höre, kommen direkt Glücksgefühle zum Vorschein und ich kann an die ganzen schönen Momente denken, die ich in dieser Zeit und auch mit diesem Spiel verbinde.

Was für viele auch ein Grund ist, viele alte Spiele zu spielen, ist der Schwierigkeitsgrad der Spiele. Heutige Spiele werden immer einfacher, dass ist schon lange kein Geheimnis mehr. Wenn man ein Spiel auf dem NES spielte, war es eine Rarität, wenn man seinen Spielstand überhaupt abspeichern konnte, man hatte Glück, wenn man bei den etwas älteren Spielen Passwörter bekam, die man am Anfang des Spiels eingeben musste, um an dem Punkt weiterspielen zu können, wo man aufhörte, oder man musste die Konsole über Nacht laufen lassen, um am nächsten Tag weitermachen zu können. Dies erschwerte die Spiele von Grund auf etwas, man stelle sich nur mal vor, man lässt Super Mario Bros. 1 auf dem NES über Nacht laufen, kommt am nächsten Tag aus der Schule, will weiter spielen und der Strom ist ausgefallen – dumm gelaufen, dann konnte man nämlich wieder von vorne anfangen. Die Spiele wurden auch durch den komplizierten Levelaufbau oder durch extrem harte Gegner erschwert, oft bestanden Spiele aus dem Trial & Error Prinzip und man musste eine Stelle immer und immer wiederholen, bis man den ganz genauen Bewegungsablauf seines Gegners quasi im Schlaf kannte und ihn schlussendlich besiegen konnte. Ein weiter Punkt, der die Spiele schwerer machte, war die hakelige Steuerung. Es ist logisch, dass Spiele bzw. Gamepads zu der Zeit noch relativ am Anfang ihrer Entwicklung standen und es deshalb noch keine ausgereiften Konzepte gab. Viele Spieler wollen gerne diese Spielgefühle wiederhaben, weshalb man zu den Retrospielen greifen muss.

 

Ein anderer Punkt liegt in der Innovation. Heutzutage wird es immer schwieriger, Spiele mit einem neuen, revolutionären Spieleprinzip auf dem Markt zu werfen, weshalb sich viele Spieler oft gelangweilt fühlen. Bei den alten Spielen gab es logischerweise viel Neues zu bestaunen, da es einfach keine große Vielfalt gab. Man denke nur an Super Mario Bros. 3: Eine Overworld in einem Jump ’n‘ Run zu haben, war etwas ganz neues, was es vorher so einfach nicht gab und tatsächlich eine so große Neuerung war, dass jeder das wirklich selbst bestaunen wollte. Internet gab es nicht, deshalb musste man sich das Spiel entweder selber kaufen, bei einem Freund anschauen oder in einer Zeitschrift ansehen, was die Verkaufszahlen ankurbelte und somit Geld lieferte, was wieder in die Entwicklung eines neuen Spiels gesteckt werden konnte, wo wieder neue Innovationen geliefert wurden.

 

Ein letzter Punkt, der auch bespricht, warum auch jüngere Spieler immer öfter zu Retrogames greifen, ist das Interesse an der Videospielgeschichte. Ich selbst bin damals zum ersten Mal bewusst mit dem Nintendo DS und dem Gamecube (selbst wenn ich als Kind keinen besaß) in Kontakt getreten. Das bedeutet, dass ich die Spiele, die ich als Retro definieren würde, erst später nachgeholt habe. Dies kommt daher, dass ich mich für das interessiere, was die Basis für heutige Spiele darstellt. Es gibt viele andere Menschen, die sich hierfür interessieren und Videospielgeschichte wird z.B. auf Youtube (bspw. hier: https://www.youtube.com/channel/UCXGPGV90SPduyn9LVX9s7Kw) durch Let’s Plays lebendig und gerät so nie in Vergessenheit.

Abschließend kann man wohl sagen: Retrogaming wird seinen Reiz wohl nie verlieren, einfach weil es einen ganz eigenen Charme besitzt. Dennoch spielen sehr viele Menschen natürlich auch weiterhin die ganz großen und kleinen Spiele der Neuzeit. Ich finde es schön, dass Videospielgeschichte wohl auch in Zukunft noch erhalten bleiben wird und alte Spiele und Konsolen voraussichtlich nicht in der Versenkung verschwinden werden.

 

Danke fürs Lesen!

Eure Viki 🙂

 

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