Am 26. Januar 2017 erschien A Normal Lost Phone, das erste, kleine Spiel der Indie-Entwickler Accidental Queens. Das französische Entwicklerstudio brachte mit der kleinen Point and Click-Reise einen Titel mit einer wichtigen Message auf den Markt. Warum du dir zwei Stunden für dieses Spiel nehmen solltest, erfährst du in diesem Review. 

Ihr findet ein Smartphone auf der Straße. Die Uhr zeigt euch an, dass es spätabends ist – 22 Uhr, um genau zu sein. Auf dem Display strahlen euch vier neue Nachrichten entgegen. Der Inhalt dieser SMS bleibt ähnlich: Samuel, offensichtlich der Besitzer des Handys, scheint verschwunden und Angehörige machen sich Sorgen um ihn. Ihr schaut nach, ob ihr jemanden anrufen könnt, doch dank fehlendem Guthaben wird euch jede Möglichkeit zur Kommunikation genommen. Beim Versuch, euch zumindest in ein WLAN-Netz einzuwählen, fehlt das benötigte Passwort. Um den Besitzer ausfindig zu machen, müsst ihr euch auf virtuelle Spurensuche begeben.

Während ihr also auf Suche nach Hinweisen geht legt ihr schnell jede Scheu ab und lest alles, was euch in die Finger fällt. Die Nachrichten, die ihr vorfindet, erzählen euch Sams Hintergrundgeschichte. Diese fesselt euch immer mehr. Durch das Kombinieren diverser Hinweise gelangt ihr an immer mehr Informationen und erfahrt die dunkelsten Geheimnisse des Besitzers. Ihr lernt viel über seine Wünsche, Unsicherheiten und Zukunftsträume, aber auch über Homo- und Transphobien sowie Selbstmordgedanken.

 

 

Zwischen Neugier, Hilfsbereitschaft und eigener Moral

Das kleine Spiel bildet eine ganze Bandbreite an aktuellen Themen ab, ohne direkt mit dem erhobenen Zeigefinger auf euch zuzugehen. Vielmehr macht ihr euch eure eigenen Gedanken zu kritischen Themen. Ihr überlegt, was Homo- und Transsexualität wirklich bedeuten und merkt, wie verletzend eine ablehnende Grundhaltung gegenüber der eigenen sexuellen Orientierung sein können. Das Spiel sensibilisiert auf eine sehr zugängliche Art und Weise. Zudem werdet ihr mit dem eigenen Konflikt zwischen Neugier, Hilfsbereitschaft und Moral konfrontiert: schaut ihr euch weiter private Nachrichten an oder lasst ihr es bleiben? Tut ihr es wirklich nur, um den Besitzer ausfindig zu machen oder seid ihr einfach zu neugierig, um es bleiben zu lassen? All diese Fragen bleiben vom Spiel ungeklärt, ihr müsst diesen Konflikt selbst mit euch ausmachen.

Gameplaymechaniken besitzt das Spiel nicht. Im Prinzip ist alles, was ihr tun müsst, klicken und lesen. Ihr öffnet dutzende Nachrichten und versucht, die Geschichte rund um Sam zusammen zu puzzlen. Damit ihr noch ein wenig gefordert werdet, sind kleine Hinweise auf Passwörter in den SMS versteckt, welche ihr kombinieren müsst. So gelangt ihr an weitaus persönlichere Inhalte, die ihr beispielsweise im Netz finden könnt. Die fehlenden Mechaniken gehen vermutlich mit der Tatsache einher, dass ihr das Spiel auch auf dem Smartphone erleben könnt – so wird euch eine umständlich friemelige Steuerung erspart. Allerdings könnten sich viele Spieler hier schnell gelangweilt fühlen, da es wirklich ausschließlich um das Lesen von Texten geht.

Fazit

A Normal Lost Phone ist mit knapp 2 Stunden Spielzeit knapp bemessen, dafür auf den Punkt gebracht. Ihr erfahrt viel zu teilweise totgeschwiegenen, durchaus oft diskutierten Themen im Alltag und macht euch eure eigenen Gedanken. Gameplay besitzt das Spiel im Grunde genommen nicht, da ihr euch lediglich durch Nachrichten klickt und Mini-Rätsel löst, um an wichtige Passwörter zu kommen. Hast du kein Problem damit, viel zu lesen und setzt dich gern mit umstrittenen Themen auseinander, kannst du mit A Normal Lost Phone zwei sehr intensive Stunden erleben. Für 2,99 Euro ist das Spiel auf jeden Fall empfehlenswert. Erhältlich ist A Normal Lost Phone für den PC sowie iOS und Android.

Ein Kommentar zu „[Review] A Normal Lost Phone – Kleiner Indie-Titel, der zu großen Gedanken führt

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