Heutzutage sind Achievements aus Videospielen nicht mehr wegzudenken. Durch das Spielen bekommt ihr eure kleinen Erfolge aufgezeigt, für besonders schwer zu erreichende Stellen bekommt ihr entsprechend seltenere Belohnungen. Auf der PlayStation gibt es Trophäen, auf Steam kleine Bilder und auf der Xbox erhaltet ihr zusätzlich Punkte. Warum ich diese kleinen Erfolge liebe und gleichzeitig hasse, erfahrt ihr in diesem Artikel. 

Wer in meiner kleinen Auflistung oben aufmerksam war wird gemerkt haben, dass ein Big Player fehlt: Nintendo. Das japanische Unternehmen hat bis heute kein Achievement-System in ihre Spiele implementiert, obwohl sich die kleinen Erfolge mittlerweile auf dem Markt etabliert haben und kaum noch aus ihm wegzudenken sind. Vor Kurzem machte ich mir zum ersten Mal bewusst Gedanken, was Achievements mit mir als Konsument anstellen und warum ich bei manchen Spielen so gierig darauf bin, alle zu sammeln.

Wenn ich ein Spiel beginne, möchte ich diese in der Regel nur durchspielen. Bei einigen allerdings versuche ich fast schon automatisch, die 100-Prozent-Hürde zu überwinden. Dazu erhalte ich von den Entwicklern heutzutage fast immer  einen Anhaltspunkt in Form der Achievements, die mir sagen, wie weit ich in meinem Vorhaben bin. Bei den meisten neuen Spielen reicht ein simples Durchspielen nämlich nicht mehr, um es wirklich vollständig erkundet zu haben. Um alle Belohnungen zu bekommen, ist es oftmals nötig, wirklich jede noch so schwere Passage abzuschließen, jeden Winkel zu sehen oder das Spiel gar mehrmals auf unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen zu beenden. Der Entwickler erreicht dadurch, dass der Konsument sich mit seinem Werk auseinandersetzt und steigert somit auch künstlich den Wiederspielwert sowie die Lust am Zocken.

 

 

Bei Nintendo habe ich nicht das Gefühl, nur weiterzuspielen, um das nächste Achievement zu sammeln. Nehmen wir zum Beispiel Breath of the Wild. Jeder andere Entwickler hätte hier unzählige Möglichkeiten gefunden, Belohnungen einzubauen und so den Spieler dazu zu bringen, möglichst weit zu spielen. Doch bei BotW habe ich gar nicht das Interesse daran, es zu beenden, nur um mich hinterher mit einer weiteren Medaille oder Trophäe brüsten zu können. Ich spiele es, einfach weil es mir Spaß macht. Hier liegt nämlich der Knackpunkt: nach einer Weile machen einige Spiele keinen Spaß mehr, weil sie sehr repetitiv werden. Würde man da nicht durch Belohnungen an meinen Ehrgeiz appellieren, weiterzumachen, würden unsagbar viele Titel von mir nicht beendet werden. Doch diese kleinen, bunten Abzeichen reichen teilweise schon, mich dazu zu bringen, das Spiel komplett zu beenden.

Ich liebe Achievements also nur wegen meines persönlichen Ehrgeizes. Ich will ein Spiel auf 100 % bringen und am Besten sollen meine Freunde auf Steam auch sehen, dass ich es geschafft habe. Das passiert ganz unterschwellig bei sehr sehr Vielen von uns. Für die Entwickler und Publisher bringt eine hohe Spielzeit allerdings einen ganz anderen Vorteil: der künstliche Spaß, den wir bei der Achievement-Jagd haben gepaart mit einer Spielzeit von vielen Stunden bringt gute Reviews (und dadurch auch mehr Verkäufe) mit sich. Denkt mal an Steam. Die meisten potenziellen Käufer lesen sich vor einem Kauf einen Teil der Rezensionen durch. Habt ihr nun zwei Rezensionen, wovon eine auf einer Spielzeit von 2 Stunden, die Andere allerdings auf 15 Stunden basiert, erscheint euch Zweitere im ersten Moment als glaubwürdiger. Immerhin hat sich Person B weitaus mehr mit dem Spiel auseinander gesetzt. Doch von Rezensenten wird oft nicht bedacht, dass der empfundene Spaß teilweise durch die Achievement-Jagd erzeugt wurde statt vom Spiel an sich. Dazu kommt, dass augenscheinlich niemand ein Spiel 15, 30, 50 oder noch mehr Stunden zockt, wenn er es komplett schlecht findet.

 

 

Nintendo löst die 100-Prozent-Belohnung da weitaus subtiler. Beendet ihr ein Spiel zu 100 %, bekommt beispielsweise der entsprechende Speicherstand ein kleines Icon wie einen Stern zugewiesen oder ihr schaltet wie in Mario Kart einen neuen, geheimen Fahrer frei. Das sind diese kleinen Dinge, worüber ihr euch nach einem fantastischen Spiel freuen dürft. Diese Belohnungen sind wirklich nur für euch, es entsteht nicht diese gewisse Prahlerei, die man von anderen Plattformen kennt.

Und aus diesem Grund hasse ich Achievements. Weil ich immer, wenn ich einen Nintendotitel spiele vor Augen geführt bekomme, wie man es besser macht. Dass die Grundlage, um mich von einem Spiel zu überzeugen, das bloße Game an sich sein sollte und nicht die dutzend künstlich hinzugefügten Achievements. Das bedeutet keinesfalls, dass sämtliche Spiele mit Achievements schlecht sind, allerdings haben gute Spiele diese kleinen Belohnungen gar nicht zwingend nötig; gute Spiele belohnen mich schlichtweg mit dem Erlebnis an sich.

 

Ein Kommentar zu „[Kolumne] Warum Achievements meine große Hassliebe sind

  1. Ich bin auch ein Trophäen Jäger 😄 ich finde aber in manchen spielen ist es unmöglich 100% zu erreichen ohne wochenlang pausenlos zu spielen 😀
    In TellTaleGames bekommt man sehr leicht Platin auch wenn man das Spiel nur 1-2 mal spielen muss.
    Aber ich liebe Trophäen 🙄
    LG Kira 🌹

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