Denken wir uns zurück in die gute, alte Zeit. Damals, als noch alles besser war (war es nicht). Überall gab es Demo-CDs, dank derer Spiele vorab rauf und runter getestet werden konnten, bevor man das Spiel schlussendlich kaufte. Doch die Zeiten haben sich geändert, es ist selten, dass überhaupt mal eine Demo erscheint; über viele Jahre habe ich nicht eine einzige gesehen. Vereinzelt gab es diese natürlich, aber sie waren definitiv eine Rarität. Warum ich mir wieder mehr Testversionen von Videospielen wünsche, erfahrt ihr in diesem Artikel.

In den letzten Monaten schienen die Demoversionen ein Comeback zu feiern, zumindest nach meinem Empfinden. Die Erste, die ich wieder wirklich wahrgenommen und genutzt habe, war eine Testversion zu Outlast 2. Diese war einige Zeit wieder von Steam verschwunden, weil sie ursprünglich zeitlich auf das Halloween-Wochenende 2016 limitiert war; inzwischen ist sie wieder erhältlich. Im Januar spielte ich dann die Resident Evil 7 Demo, auf der Switch durften Snipperclips und Puyo Puyo Tetris getestet werden und auch den Blockbuster Prey konnte man vor Release anspielen. Vereinzelt lese ich immer wieder das kleine Wörtchen Demo neben dem Kaufbutton auf Steam und Co. und bin direkt begeistert.

Diese Begeisterung lässt sich mit einer Mischung aus Nostalgie, Neugierde und Rationalität begründen. Das sind meines Erachtens nach die drei Hauptfaktoren, warum ich mir kostenlose Testversionen anschaue (was nicht unbedingt nur auf Spiele limitiert ist). Generell teste ich gerne neue Software aus und nutze sich mir bietende Angebote mit Freude, bevor ich Geld investiere.

In erster Linie freue ich mich heutzutage über Testversionen, da mein Budget als Studentin recht knapp ist und ich mir definitiv nicht jedes AAA-Spiel zu Release leisten kann und will. Habe ich vorher die Chance, ein Spiel auszuprobieren, kann ich mir ein erstes Bild vom Endprodukt machen und anhand dessen eine Entscheidung fällen. Selbstverständlich muss man immer beachten, dass Publisher Demos gerne besonders gut aussehen lassen, da niemand Bugs, Glitches oder langweilige Passagen im Voraus spielen will. Dennoch erhält man einen kurzen Einblick in Story, Spieltechniken und auch in Aussehen sowie Performance des Spiels. Somit spielt der rationale Aspekt einer Demoversion heute für mich die größte Rolle in meiner Kaufentscheidung.

Weiterhin helfen Testversionen, sich in dem riesigen Dschungel an neuen Videospielen zurecht zu finden. Besonders dank des Internets und Plattformen wie Steam oder GOG bekommt man eine scheinbar unendliche Auswahl an neuen Titeln für die eigene Bibliothek geboten. Sich da zu entscheiden fällt oft nicht leicht, weshalb ich entweder dazu neige, im Sale viele neue Titel auf einmal zu erstehen oder frustriert gar kein Spiel zu kaufen. Beides ist sicherlich nicht das beste Konsumverhalten, dass man an den Tag legen kann. Hier bieten Demos für beide Situationen eine gute Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen. Werde ich im Sale schwach und habe hinterher fünfzehn neue Titel in meiner Bibliothek, greift das Prinzip des Überangebots: ich kann mich nicht entscheiden, was ich zuerst spielen soll und spiele deshalb im schlimmsten Fall gar nicht. Realistisch betrachtet zocke ich, wenn es hochkommt, von diesen fünfzehn Spielen maximal drei neue an und das war es dann auch wieder. Habe ich allerdings im Voraus schon ein Spiel anschauen dürfen, bleibt es mir automatisch im Gedächtnis und ist somit auch das, was ich als erstes (weiter-)zocken werde. Im besten Fall werden es durch die vorige Beeinflussung durch Testversionen allerdings sowieso keine fünfzehn neue Titel, sondern vielleicht nur der eine Getestete.

Doch der Mensch hat bekanntlich nicht nur seine rationale Seite, sondern lebt vor allem durch Gefühle. Ein Gefühl, das jeder nur zu gut seit frühester Kindheit kennt und das der Grund dafür ist, wie wir lernen und leben, nennt sich Neugierde. Wie auch in allen anderen Lebensbereichen vertreten hat die Neugierde in einer Welt des Konsums einen großen Stellenwert, so auch bei Videospielen. Wir sollen durch Trailer, Screenshots und Gameplayszenen im Voraus neugierig werden auf das neue Spiel, das uns verkauft werden soll. Der Otto-Normal-Verbraucher soll durch diverse Werbung erreicht werden, ein gut gestaltetes Cover bezweckt, im Laden von allen anderen Spielen ablenken. Doch all diese Versuche könnten durch Demos denkbar einfach erweitert werden. Können wir das augenscheinlich spannende Spiel direkt testen, wird ein Teil der ersten Neugierde befriedigt und dank einem Cliffhanger am Ende dieses Tests entsteht eine neue, viel weitreichendere Neugierde. Dadurch wird nicht nur bei mir der Drang immens gefördert, am liebsten direkt weiter zu zocken und die Wahrscheinlichkeit, dass ich das Spiel dadurch kaufe, steigt maßgeblich.

Doch nicht nur der bloße Kauf eines Spiels ist Ziel der Entwickler, im Gegenteil. Entwickler wollen, dass ihr Werk Kunden begeistert, sie wollen durch ihre eigene Leidenschaft Menschen überall auf der Welt überzeugen und verzaubern. Doch auch aus Marketinggründen (besonders in unserer digitalisierten Welt) macht eine hohe Spielzeit Sinn; durch Reviews auf Steam oder Amazon beispielsweise vertrauen potentielle Käufer verständlicherweise am ehesten dem Reviewer, der viel Zeit mit dem Spiel verbracht hat als demjenigen, der bereits nach wenigen Minuten Spielzeit seine Meinung abgibt.

Persönlich setze ich mich auch gerne an Demos, weil sie mich an die „gute alte Zeit“ erinnern. Dieser Satz klingt, als stamme er von einer Omi, aber ich mag Nostalgie. Ich denke gerne an vergangene Tage, erinnere mich gerne an meine Kindheit, höre Musik, gucke Serien und spiele Spiele, die ich früher sehr mochte. Wenn ich ein Spiel vorab durch eine Demo ausprobieren kann erinnere ich mich auch automatisch an Testversionen, die ich als Kind ausprobiert habe. Damals habe ich diese kleinen Demos ohne Ende gespielt, weil sie eine kostenlose Abwechslung zu meiner sehr überschaubaren Spielesammlung boten. Auch wenn ich mir viele Spiele, die ich getestet und geliebt habe nie leisten konnte, bin ich noch heute dankbar für diese Möglichkeit. Allein aus diesem Grund der kurzen Abwechslung wünsche ich mir viel mehr Demoversionen.

Sollte diese Zeilen zufällig irgendwann ein Publisher lesen: ich bitte euch inständig, mehr Demos auf den Markt zu bringen. Ich bin mir sicher, dass sie euren Umsatz steigern werden und uns, eure potentiellen Kunden, glücklich machen werden.

Vielen Dank fürs Lesen!

3 Kommentare zu „[Kolumne] Meine Liebe für Demoversionen.

  1. Wer schon länger zockt, der wird auf jeden Fall mit Demos eine gewisse Nostalgie verbinden, aber zumindest für mich haben Demos von heute eigentlich gar nichts mehr mit damals gemeinsam. Früher hat man die Demos ja nur selten direkt aus dem Netz geladen, sondern sie vor allem auf Bonus-Discs, von Freunden oder als Beilage zu Magazinen bekommen und das macht auch einen Großteil der positiven Erinnerungen aus, denke ich. Bei Steam oder im PSN eine Demo zu laden, hat irgendwie nur noch wenig von dem Flair traditioneller Demos.
    Zudem muss man sich auch fragen, welchen Sinn Demos (zumindest auf Steam) noch haben, wenn man sowieso 1-2h anspielen und auf Wunsch eine Rückerstattung bekommen kann. Im Multiplayer-Bereich gibt es ja zudem immer öfter vorab öffentliche Beta-Tests. Echten Mehrwert hätte da eigentlich nur eine Demo wie eben bei P.T. oder Resi 7, die Inhalte bietet, die es im Hauptspiel nicht zu sehen gibt. Im schlimmsten Fall ist die dann aber nicht mehr repräsentativ für die Vollversion und von der Mehrarbeit für die Entwickler will ich gar nicht erst anfangen.
    Also um es kurz zu machen: ich kann die Nostalgie verstehen, aber ich glaube, die Zeit für (normale) Demos ist langsam wirklich vorbei.

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  2. Schönes Thema! Kann mich dir nur anschließen. Ich habe die letzten 5 Jahre vor allem mit der WiiU verbracht und hab mich meistens unheimlich gefreut, wenn wieder einmal eine Demo im eShop verfügbar war. Die lösche ich dann auch nicht, schon seit Wii-Zeiten, sondern sammle sie, um auch dann noch Zugriff darauf zu haben, wenn sich der Publisher einmal entscheidet, die Demo offline zu nehmen.
    Ich könnte jetzt eine ganze Reihe von Punkten aufzählen, die mir an Demos gefallen bzw. welche Arten von Demos ich mag. Einmal, dass sie oft der Spielmitte entnommen sind und einen besseren Eindruck vom Spiel geben, als z.B. die Start-Location (auch wenn man, wie du schon sagtest, sich natürlich bewusst sein sollte, dass Entwickler die Demos oft besonders polieren). Ein gutes Beispiel aus WiiU-Zeiten war da ZombiU, wo man sich die extra unheimliche Kindergarten-Location für die Demo ausgesucht hatte. Danach wollte ich das Spiel direkt haben. Interessant war dabei aber auch, dass der Kindergarten-Abschnitt – isoliert vom Rest des Spiels – eine ganz andere Stimmung erzeugte als in der Vollversion.
    Das bringt mich zu der Art von Demo, die ich am meisten mag: Und zwar solche Demos, für die Inhalte des Hauptspiels extra neu aufbereitet, sozusagen „remixed“ werden. Mein Lieblingsbeispiel ist da meine Lieblingsdemo ever: die Demo zum ersten Stronghold. Das dürfte 2002 gewesen sein. Natürlich erhöht das die Gefahr, dass Demo und Vollversion auseinanderklaffen, aber dort wo es gut gemacht wird, überwiegen für mich die Vorteile und die Demo gewinnt sogar noch einen Wert an sich.

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  3. Demos sind schon eine tolle Sache und auch ich würde mir mehr Demos zu spielen wünschen, dann wäre ich beispielsweise nicht zum Kauf von Styx verleitet gewesen und hätte mir teure 20 Euro für die schlimme Steuerung sparen können. Denn auch das machen Demos, sie können einen von dem Wunsch ein Spiel zocken zu wollen, abbringen. Mein Eindruck ist im übrigen eher, dass es immer weniger Demos gibt, diese werden im Store bei Sony zum Beispiel auch überhaupt nicht mehr wirklich beworben, die sieht man dann eher durch Zufall Mal oder man besucht die Rubrik und stöbert, aber die Auswahl steigt nur noch sehr sehr langsam.

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