Super Mario Odyssey ist vor fast zwei Monaten erschienen und sorgt bis heute für viel Trubel. Neben Verkaufsrekorden erhält Nintendos neuer 3D-Platformer von der Presse Höchstwertungen, die den Titel als das beste Spiel aller Zeiten loben. Dennoch stellt sich die Frage, ob Journalisten in objektiven Wertungen das beste Spiel aller Zeiten bestimmen dürfen? Und wie viel Subjektivität braucht eine eigentlich objektive Review?

Vertraut man Portalen wie gamerankings, welche international Reviews und Wertungen verrechnen, ist Super Mario Odyssey mit 97,42 % (Stand: 17.12.2017) das beste Spiel aller Zeiten. Namhafte Magazine wie Kotaku oder Polygon vergeben Höchstwertungen und werfen nur mit lobenden Worten um sich. Und doch bin ich aus diversen Gründen kritisch, wenn es um solche Zahlen geht. Meine persönliche Meinung zu Reviews und ihren Wertungssystemen habe ich schon einmal hier niedergeschrieben, der allgemeine Konsens des Artikels gilt allerdings auch in diesem Fall wieder: Rankings sind nicht das Optimum der Spielewertung und sollten nicht das einzig wichtige Kriterium in Diskussionen bleiben. Denn ob ein Spiel nun das Beste ist oder nicht hängt doch von weit tiefgründigeren Punkten ab als einer finalen Wertung, oder nicht?

 

Objektiv betrachtet gibt es an Super Mario Odyssey erst einmal nicht viel zu meckern. Das Spiel strotzt nur so vor Innovationen, die Musik passt perfekt zu den vielfältigen Welten und die Steuerung bereitet keine Sorgen. Alles in allem wirkt der neue Titel auf den ersten Blick auch wie DAS Spiel, das jeder gespielt haben muss. Dennoch glaube ich, dass viele Reviews und Wertungen geblendet von all den tollen Neuerungen und dem eigenem tiefen Glücksgefühl dank Nostalgie und der Freude, endlich wieder ein vernünftiges 3D-Mario in der Hand zu halten, geschrieben wurden. Viele Tester wollten seit Super Mario 64 wieder ein 3D-Abenteuer, das Spaß macht. Super Mario Sunshine und Super Mario Galaxy waren zwar gute Spiele, dennoch nicht so perfekt wie das, was man sich von Nintendo erhoffte. Entsprechend bekam Super Mario Odyssey die geballte Ladung Vorfreude und Hoffnung entgegengeschossen, was zu vielen Rosarote-Brille-Wertungen führte.

Meiner Meinung nach ist Super Mario Odyssey ein wirklich gutes Spiel, mit welchem ich viel Spaß habe; dennoch gibt es einige wenige Punkte, die mich stören. Diese sind allerdings so schwerwiegend, dass ich in keinster Weise zustimmen würde, dass es sich hier um das beste Spiel aller Zeiten handelt. Am störendsten empfand ich den Schwierigkeitsgrad des Spiels. Es ist immens einfach, ich bin bei keinem Bossgegner gestorben, die Mondmissionen sind spielend leicht zu bewältigen und die meisten Monde bekomme ich durch solch simple Dinge wie Stampfattacken hinterher geworfen. Zwar wird das Spiel nach der Hauptstory etwas schwerer und es gibt durchaus Mondmissionen, die wirklich schwierig sind, doch das sind die wenigsten.

 

 

Mich stört nicht nur, dass das Spiel im Allgemeinen zu leicht zu bewältigen ist; zusätzlich ist die Verteilung des bestehenden Schwierigkeitsgrades nicht optimal gewählt. Zu einem guten Videospiel zählt für mich ein stetig ansteigender Schwierigkeitsgrad. Nintendo ging bei Odyssey nicht zum ersten Mal den Weg, das Hauptspiel leicht und mit kaum anziehenden Schwierigkeitsgrad zu gestalten, um erst nach dem eigentlichen Spiel schwierige Missionen hinzuzufügen und die Herausforderung so massiv anzuziehen. Sicherlich ist es für Kinder und Casual Gamer auf diese Weise recht angenehm, das Spiel durchspielen zu können ohne sich allzu große Sorgen zu machen, doch es ist nicht nötig. Beispielsweise saß ich als Kind auch vor komplexeren Spielen wie Ocarina of Time und habe sie durchgespielt, auch wenn ich damals viele Anläufe brauchte.

Weiterhin missfällt mir das Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Mondmissionen. Mich stört es, dass ich manche Monde (wie oben beschrieben) durch eine einzige Stampfattacke bekommen kann, für andere Monde jedoch richtig Zeit und Arbeit investieren muss. Im Endeffekt gibt es keine unterschiedlich angepassten Belohnungen für schwere Missionen, weshalb mir die Komplettierung des Spiels nicht so viel Spaß bereitet, wie ich es mir vorher erhofft habe.

 

 

Doch hier möchte ich einfügen, dass das Kriterium Schwierigkeit nunmal ein sehr subjektives Kriterium ist. Jeder empfindet andere Spiele als schwer oder leicht, je nach Gewohnheit und eigenem Können sowie je nach Alter. Das ist mein ganz persönliches Problem mit den Bestwertungen. Reviews sollten so objektiv wie möglich geschrieben werden, dennoch müssen einige persönliche Parameter mit in die Bewertung einfließen. Meiner Meinung nach ist Super Mario Odyssey ein sehr gutes Spiel, doch der bestehende, viel zu leichte Schwierigkeitsgrad sowie die unverhältnismäßigen Belohnungen in Form der Mondmissionen macht für mich vieles kaputt. Doch es gibt mehr als genug Menschen, denen dieser Punkt nicht so hart aufstößt wie mir oder die die Situation nicht so empfinden wie ich.

Für mich wird Super Mario Odyssey wohl nie das beste Spiel aller Zeiten werden, auch die Frage nach dem Spiel des Jahres stellt sich für mich in diesem Fall nicht. Es handelt sich zweifelsohne um ein sehr gutes Spiel, dem es leider an Schwierigkeit mangelt. Dennoch werde ich mich wohl nie auf Wertungen in zweifelhaften Wertungssystemen verlassen können, noch werde ich mich mit ihnen einigen können.

3 Kommentare zu „[Kolumne] Super Mario Odyssey und das Problem mit der Objektivität

  1. Allein die Anwesenheit einer Zahl, sei es eine Wertung in Prozenten, auf einer Skala oder als Note, impliziert Objektivität. Zahlen stellen Ergebnisse von Messungen, Umfrage und Berechnungen dar und lassen sich, mit einer Einheit versehen, vergleichen.
    Ein Spiel verfügt über solche Werte: Auflösung, Bildwiederholrate, usw. Diese können problemlos benannt und verglichen werden.
    Andere Aspekte wie Handlung, Charaktergestaltung oder auch der Schwierigkeitsgrad werden subjektiv wahrgenommen. Wenn ein Spieler diese subjektiven Eindruck mit einer Zahl ausdrückt, dann spielen immer die Erwartungen und Erfahrungen des Spielers in diese Wertung mit herein, die das Vergleichen dieser Zahlen unmöglich machen.

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  2. Sehr guter Artikel, ich hatte da ähnliche Gedanken, auch schon bei Breath of the Wild. Nintendo-eigene Titel werden oft viel zu gut bewertet, Nintendo kann einfach nichts schlechtes machen. Mario Odyssey ist ganz gut, aber es ist relativ kurz, viele Monde sind viel zu leicht, andere zu schwer, genau wie du schreibst. Es ist zwar abwechslungsreich, aber so wirklich viel zu entdecken gibt es trotzdem nicht, es gibt keine wirkliche Motivation, keinen Anreiz, nach Bowser noch weiter Monde zu sammeln (ich glaube ich hatte da erst 200) usw. Mit Super Mario 64, ja sogar mit Super Mario Sunshine, hatte ich viel mehr Spaß. Mit Paper Mario Color Splash zuletzt auch. Ich halte eh nicht viel von Prozent- oder Punktewertungen, aber wenn etwas überall als bestes Spiel aller Zeiten angepriesen wird, kann es ein bisschen besser sein. BOTW z.B. war super, vielleicht mein Spiel des Jahres, aber es hat auch ganz eindeutige Schwächen wie fehlende Tutorials oder Erklärungen, zu hoher Schwierigkeitsgrad am Anfang (Wächter) und zu leichte Endgegner am Ende (Urbosas Zorn ist oft viel zu stark)… Es gibt auf jeden Fall jede Menge Kritik, die oft einfach übergangen wird.

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    1. Das stimmt, es gibt eindeutig zu viel unausgesprochene Kritik. Genau deshalb hoffe ich, dass die Szene in Zukunft kritischer mit Spielen umgeht, nicht alles direkt entweder in den Himmel lobt oder zu Tode kritisiert und offener für Reviews ohne Wertungen wird. 🙂

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